2014-04-02
Tag 2 im Sternelogbuch, wir befinden uns immer noch in
Shanghai und haben wieder Hunger. Weil wir gerade von Hunger sprechen…hier gibt
es verdächtig wenig Hunde, Katzen (kein einziges Mi-ao in der Stadt, wohl nur
auf jedem Geldschein), Tauben oder Spatzen. Es kreucht und fleucht hier einfach
gar nichts. In einer Riesenstadt wie Shanghai erwarte ich doch mindestens 3
Tauben, stattdessen kehrt mir ein fleißiges Chineschen die Frühstücksbrösel
unter den Füßen weg, und das mitten in der Fußgängerzone. So hat immerhin einer
etwas davon. Interessant zum Frühstück war auch dieses mit Bohnenpaste
gefülltes grünes Schleimbällchen, welches knetmasseähnlich und in einer
Frischhaltefolie verpackt ist.
- Gestärkt geht’s zum Volksplatz der vom Volkspark umschlossen
ist. Der Park ist wieder sehr asiatisch, was nicht verwundert, aber
lustig-interessant sind die Aktivitäten, welchen hier vornehmlich von Rentnern
nachgegangen wird. Nach den mitten in der Fußgängerzone formationstanzenden
älteren Damen überraschen uns hier ganze Sitzgruppen die wasserfarbene
Naturgemälde anfertigen und von einem älteren in den Gebüschen verborgenen
chinesischen Akapella-Opernsänger begleitet werden. Skuril wird aber erst eine
Dame, die die ganze Zeit einen Baumstamm klatscht. Andere dehnen sich mehr als
das sie tai-chi’en. Aber so wie das aussieht, hält das hier die Rentner fit und
von der Straße weg, sodass diese sich nicht wie bei uns Hobbys so wie
Parksünder aufschreiben oder keine-Zeit-haben ausdenken müssen.
- Der nächste Metro-Stopp liegt in der Nähe der Longhua-Pagode
und –Tempels, dessen Ort wir erst durch rumzeigen der Tempelzeichen ausfindig
machen können. Toll so ein Reiseführer. Die Tempelanlage ist sehr schön und gut
ausgeräuchert mit Räucherstäbchen. Neben dem Tempel ist ein kleiner Markt auf
welchem man alles Mögliche kaufen kann, was meiner Meinung nach auch ein toller
Ersatz für die Kirchensteuer wäre. Dort habe ich auch gemerkt, wie schwierig es
sein kann Tee zu kaufen, wenn man der fremden Sprache nicht mächtig ist. Ohne
Zahlen, die hier tollerweise in einer mir bekannten Art und Weise aufgezeichnet
waren, wäre es mir nie möglich gewesen Ringelblumentee zu kaufen.
- Nebenan ist der Memorial-Park zum Gedenken an die zuerst gescheiterte kommunistische Revolution. Hat wohl doch geklappt… trotzdem ist das Museum hierzu nicht sooo mega interessant. Im Park aber stehen dafür alle Büsche in der gleichen Höhe einheitlich und in Reih und Glied da und überragen schon fast die doch noch hervorstehenden vereinzelten Lichter. Man meint dies wäre eine große Metapher.
- …ab ins Französische Viertel, das nicht sehr französisch aber dennoch sehr pittoresk ist. Im ‚Fuxing‘-Park, der von einem Franzosen geplant wurde, mach ich lieber mal kein Photo von den 2 französischen Touristen, wobei ich das doch etwas amüsant fände. Auch die durch den roten, überall auf der Welt verstreuten und mit komischen Staatsformen weichgekochten Namen Marx und Engels kommen auch nicht allein durch die hier stehende Statue nicht zu ihrer eigentlich verdienten Anerkennung. Dafür aber der nächste chinesische Chanson-Singer, der sein Radio in der Nähe einer tai-chi’enden Gruppe ansingt und uns zu kurzer Rast in seinem besetzten Pavillon bemüht. Hausbesetzten kennt man an dieser roten Stelle des Globusses wohl auch, wobei ich nicht denke, dass ihn hier jemand heraustragen würde.
- In Pudong angekommen, das Gegenufer zum Bun, sehen wir uns
am Fuße der beeindruckenden Skyline von Shanghai. Erst in einen sehr westlich
anmutenden Parks und weiter in den 87sten Stock des Jin Mao-Buildings auf einen
Cocktail. Fünf Gehminuten über die weit verbundenen Fußgängerbrücken geht es
zum letzten Stopp von heute in die ‚Super Brand Mall‘. Beim local food Chinesen
gibt’s Ente mit Datteln, Rindfleisch und Qualle. Eingelegt in Zitronensaft
schmeckt letztere eher wie die Gelatine auf einem Obstkuchen, wo diese als
Frucht des Meeres allein um des Namens willen schon Platz fände.
Nach einem kleinen Abstecher in die Spielhalle war dann auch
der zweite Tag vorbei. Morgen führt uns der Reiseplan weiter ins Land der, wie
ich gehört habe, überschwänglichen Höflichkeit… dies wäre ein mir bisher
unbekannter Unterschied, da die Shanghainesen sehr deutsch in ihren
Umgangsformen wirken.
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