Donnerstag, 3. April 2014

2014-04-02

Tag 2 im Sternelogbuch, wir befinden uns immer noch in Shanghai und haben wieder Hunger. Weil wir gerade von Hunger sprechen…hier gibt es verdächtig wenig Hunde, Katzen (kein einziges Mi-ao in der Stadt, wohl nur auf jedem Geldschein), Tauben oder Spatzen. Es kreucht und fleucht hier einfach gar nichts. In einer Riesenstadt wie Shanghai erwarte ich doch mindestens 3 Tauben, stattdessen kehrt mir ein fleißiges Chineschen die Frühstücksbrösel unter den Füßen weg, und das mitten in der Fußgängerzone. So hat immerhin einer etwas davon. Interessant zum Frühstück war auch dieses mit Bohnenpaste gefülltes grünes Schleimbällchen, welches knetmasseähnlich und in einer Frischhaltefolie verpackt ist.

  • Gestärkt geht’s zum Volksplatz der vom Volkspark umschlossen ist. Der Park ist wieder sehr asiatisch, was nicht verwundert, aber lustig-interessant sind die Aktivitäten, welchen hier vornehmlich von Rentnern nachgegangen wird. Nach den mitten in der Fußgängerzone formationstanzenden älteren Damen überraschen uns hier ganze Sitzgruppen die wasserfarbene Naturgemälde anfertigen und von einem älteren in den Gebüschen verborgenen chinesischen Akapella-Opernsänger begleitet werden. Skuril wird aber erst eine Dame, die die ganze Zeit einen Baumstamm klatscht. Andere dehnen sich mehr als das sie tai-chi’en. Aber so wie das aussieht, hält das hier die Rentner fit und von der Straße weg, sodass diese sich nicht wie bei uns Hobbys so wie Parksünder aufschreiben oder keine-Zeit-haben ausdenken müssen.

  • Der nächste Metro-Stopp liegt in der Nähe der Longhua-Pagode und –Tempels, dessen Ort wir erst durch rumzeigen der Tempelzeichen ausfindig machen können. Toll so ein Reiseführer. Die Tempelanlage ist sehr schön und gut ausgeräuchert mit Räucherstäbchen. Neben dem Tempel ist ein kleiner Markt auf welchem man alles Mögliche kaufen kann, was meiner Meinung nach auch ein toller Ersatz für die Kirchensteuer wäre. Dort habe ich auch gemerkt, wie schwierig es sein kann Tee zu kaufen, wenn man der fremden Sprache nicht mächtig ist. Ohne Zahlen, die hier tollerweise in einer mir bekannten Art und Weise aufgezeichnet waren, wäre es mir nie möglich gewesen Ringelblumentee zu kaufen.


  • Nebenan ist der Memorial-Park zum Gedenken an die zuerst gescheiterte kommunistische Revolution. Hat wohl doch geklappt… trotzdem ist das Museum hierzu nicht sooo mega interessant. Im Park aber stehen dafür alle Büsche in der gleichen Höhe einheitlich und in Reih und Glied da und überragen schon fast die doch noch hervorstehenden vereinzelten Lichter. Man meint dies wäre eine große Metapher.
  • …ab ins Französische Viertel, das nicht sehr französisch aber dennoch sehr pittoresk ist. Im ‚Fuxing‘-Park, der von einem Franzosen geplant wurde, mach ich lieber mal kein Photo von den 2 französischen Touristen, wobei ich das doch etwas amüsant fände. Auch die durch den roten, überall auf der Welt verstreuten und mit komischen Staatsformen weichgekochten Namen Marx und Engels kommen auch nicht allein durch die hier stehende Statue nicht zu ihrer eigentlich verdienten Anerkennung. Dafür aber der nächste chinesische Chanson-Singer, der sein Radio in der Nähe einer tai-chi’enden Gruppe ansingt und uns zu kurzer Rast in seinem besetzten Pavillon bemüht. Hausbesetzten kennt man an dieser roten Stelle des Globusses wohl auch, wobei ich nicht denke, dass ihn hier jemand heraustragen würde.
  • In Pudong angekommen, das Gegenufer zum Bun, sehen wir uns am Fuße der beeindruckenden Skyline von Shanghai. Erst in einen sehr westlich anmutenden Parks und weiter in den 87sten Stock des Jin Mao-Buildings auf einen Cocktail. Fünf Gehminuten über die weit verbundenen Fußgängerbrücken geht es zum letzten Stopp von heute in die ‚Super Brand Mall‘. Beim local food Chinesen gibt’s Ente mit Datteln, Rindfleisch und Qualle. Eingelegt in Zitronensaft schmeckt letztere eher wie die Gelatine auf einem Obstkuchen, wo diese als Frucht des Meeres allein um des Namens willen schon Platz fände.

Nach einem kleinen Abstecher in die Spielhalle war dann auch der zweite Tag vorbei. Morgen führt uns der Reiseplan weiter ins Land der, wie ich gehört habe, überschwänglichen Höflichkeit… dies wäre ein mir bisher unbekannter Unterschied, da die Shanghainesen sehr deutsch in ihren Umgangsformen wirken.
 

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